Erik Weber
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Hermes Agent: Ein KI-Agent, der sich selbst Skills schreibt

Erik Weber · · 17 Min. Lesezeit

Die meisten KI-Agenten vergessen nach der Arbeit, wie sie es gemacht haben. Hermes Agent schreibt es sich auf. Ob das Aufgeschriebene stimmt, musst du trotzdem selbst nachlesen.

Was brauchst du wofür?

Die wichtigste Frage zuerst: Passt Hermes Agent zu deiner Aufgabe und zu dir?

AufgabePasst?Warum
Agent, der aus Arbeit lerntjaschreibt eigene Skills
KI vom Handy aus erreichenjaper Messenger
Server pflegen lassenmit PrüfungBefehle brauchen Grenzen
Ohne eigenen Server startennur gehostetHermes Cloud
Kundendaten verarbeitenmit PrüfungDatenwege klären

Ein KI-Agent ist ein KI-Modell, das nicht nur antwortet, sondern selbst Schritte ausführt. Er liest Dateien, führt Befehle aus, sucht im Web und meldet sich mit dem Ergebnis. Hermes Agent gehört damit in dieselbe Familie wie OpenClaw. Die Unterschiede stehen weiter unten.

Wie funktioniert Hermes Agent?

Du installierst Hermes Agent auf einem eigenen Rechner oder Server und verbindest ein KI-Modell. Alternativ mietest du beim Hersteller eine fertige Instanz, dazu mehr unter Kosten. Danach schreibst du ihm im Terminal, dem Fenster für Textbefehle, oder über einen Messenger. Während der Arbeit und danach hält der Agent fest, was er beim nächsten Mal wieder wissen will.

Schematische Grafik: links eine ungeordnete Wolke aus grauen und einigen farbigen Punkten mit der Beschriftung „Deine Aufträge und Korrekturen“. In der Mitte eine senkrechte salbeigrüne Linie mit einem leuchtenden salbeigrünen Kreis, darunter die Beschriftung „Hermes Agent“ und kleiner „prüft nach der Arbeit, was bleiben soll“. Rechts ein Rahmen mit der Überschrift „Bleibt für später“ und drei salbeigrünen Punkten mit den Beschriftungen „Gedächtnis“, „Nutzerprofil“ und „Skills“, darunter „beim nächsten Mal wieder da“
Hermes Agent hält aus deinen Aufträgen und Korrekturen fest, was er später wieder braucht: Notizen, ein Profil von dir und Skills

Gateway und Kanäle

Das Gateway ist das Programm, das dauerhaft läuft und den Agenten mit deinen Messengern verbindet. Die Website nennt unter anderem Telegram, Discord, Slack, WhatsApp, Signal und E-Mail.

Der Agent ist nur erreichbar, solange das Gateway läuft. Wer ihn immer erreichen will, braucht einen Rechner, der durchläuft, etwa einen kleinen Server.

Schreibt eine unbekannte Person deinen Bot an, verweigert Hermes laut Dokumentation den Zugriff und antwortet mit einem einmaligen Kopplungscode. Erst wenn du den freigibst, darf die Person Aufträge geben.

Gedächtnis

Das eingebaute Gedächtnis besteht aus zwei kleinen Textdateien. Laut Dokumentation:

  • MEMORY.md: Notizen des Agenten zu Umgebung, Abläufen und Gelerntem, höchstens 2.200 Zeichen
  • USER.md: dein Profil mit Vorlieben und Erwartungen, höchstens 1.375 Zeichen

Beide Dateien liegen im Ordner .hermes/memories in deinem Benutzerverzeichnis. Der Agent pflegt sie selbst: Er trägt ein, ersetzt und löscht. Laut Dokumentation speichert er von sich aus, ohne dass du darum bittest.

Die Obergrenzen sind Absicht. Ist eine Datei voll, wird nicht automatisch gekürzt. Der Agent bekommt eine Fehlermeldung und muss selbst entscheiden, was er streicht oder zusammenfasst.

Zwei Eigenheiten solltest du kennen. Erstens liest der Agent die Dateien einmal beim Start einer Sitzung. Was er währenddessen speichert, wirkt erst in der nächsten Sitzung. Zweitens rät die Dokumentation bei Messengern, mit dem Befehl /new bewusst neue Sitzungen zu beginnen, weil das Gedächtnis an diesen Grenzen arbeitet.

Das Gedächtnis von Hermes ist ein kleiner Notizzettel, kein Archiv. Das Archiv ist die Sitzungssuche.

Sitzungssuche: Alle Unterhaltungen landen zusätzlich in einer lokalen Datenbank mit Volltextsuche. Der Agent kann darin nach früheren Gesprächen suchen. Beendete Sitzungen werden laut Dokumentation standardmäßig nach 90 Tagen ohne Aktivität gelöscht. Die Frist lässt sich ändern.

Mehr dazu, warum Agenten überhaupt ein Gedächtnis brauchen, steht in meinem Beitrag über Gedächtnisse von KI-Agenten.

Skills, die der Agent selbst schreibt

Skills sind Anleitungen in Textform, die der Agent bei Bedarf lädt. Bei Hermes kann der Agent sie laut Dokumentation selbst anlegen, ändern und löschen. Die Dokumentation nennt das sein prozedurales Gedächtnis: Er merkt sich nicht nur Fakten, sondern auch Vorgehensweisen.

Als Anlässe für einen neuen Skill nennt die Dokumentation:

  • ein mehrstufiger Ablauf, der sich zu wiederholen lohnt
  • Fehler und Sackgassen, nach denen er den funktionierenden Weg gefunden hat
  • eine Korrektur von dir an seinem Vorgehen

Bestehende Skills ändert er bevorzugt gezielt an einer Stelle, statt sie neu zu schreiben. Zusätzlich läuft nach einer Antwort eine Prüfung im Hintergrund, die still eine Notiz speichern oder einen Skill anpassen kann. Im Chat erscheint dann standardmäßig eine Zeile wie „Memory updated“.

„Lernt selbst“ heißt hier also: Der Agent schreibt Textdateien in seinen eigenen Ordner. Das KI-Modell wird dabei nicht trainiert. Du kannst jede dieser Dateien lesen, ändern und löschen.

Der Curator räumt auf

Wer selbst Skills schreibt, sammelt mit der Zeit viele an. Dafür gibt es den Curator, einen Aufräumdienst im Hintergrund. Er betrifft nur Skills, die der Agent selbst angelegt hat.

Laut Dokumentation läuft er standardmäßig alle sieben Tage und nur, wenn der Agent zwei Stunden nichts zu tun hatte. Skills, die 14 Tage ungenutzt blieben, markiert er als veraltet. Nach 30 Tagen archiviert er sie. Gelöscht wird nichts, archivierte Skills lassen sich zurückholen.

Das Zusammenführen ähnlicher Skills durch ein KI-Modell ist laut Dokumentation standardmäßig aus. Es kostet Modellnutzung und verändert die Sammlung stark. Du schaltest es bei Bedarf ein.

Nutzerprofil mit Honcho (optional)

Im Standard steht dein Profil in der Datei USER.md. Wer mehr will, kann einen externen Gedächtnisdienst anbinden. Einige liefert Hermes laut Dokumentation mit, weitere lassen sich als Plugin nachinstallieren. Aktiv sein kann immer nur einer davon, das eingebaute Gedächtnis läuft daneben weiter.

Eines dieser Plugins ist Honcho von der Firma Plastic Labs. Laut Dokumentation baut Honcho über mehrere Sitzungen ein Modell von dir auf. Es wertet Unterhaltungen nachträglich aus und leitet daraus Schlussfolgerungen über deine Vorlieben und Gewohnheiten ab. Auf Wunsch geschieht das in bis zu drei Durchgängen: eine erste Einschätzung, eine Selbstprüfung auf Lücken und ein Abgleich auf Widersprüche.

Wichtig für die Einordnung: Honcho ist nicht Teil der Standardinstallation. Du installierst es selbst und brauchst entweder ein Konto beim Cloud-Dienst von Honcho oder eine eigene Installation. Im Cloud-Betrieb liegen deine Nachrichten und die Schlussfolgerungen dann bei diesem Dienst.

Modelle

Hermes Agent bringt kein eigenes KI-Modell mit. Du verbindest eines. Die Dokumentation nennt unter anderem das hauseigene Nous Portal, OpenAI, Anthropic und OpenRouter, dazu lokale Modelle auf eigener Hardware.

Bei OpenAI geht laut Dokumentation auch die Anmeldung mit einem ChatGPT-Abo. Sonst nutzt du einen API-Schlüssel, einen Zugangscode für die Schnittstelle des Anbieters, und zahlst nach Verbrauch.

Die Dokumentation warnt an einer Stelle selbst: Kleine lokale Modelle behaupten häufig, etwas gespeichert zu haben, ohne es zu tun. Für die Einrichtung empfiehlt sie ein stärkeres Modell.

Was unterscheidet Hermes Agent von OpenClaw?

Zuerst die Gemeinsamkeiten, denn davon gibt es viele. Beide sind quelloffen unter MIT-Lizenz, beide betreibst du selbst, beide erreichst du per Messenger, beide arbeiten mit einem Modell deiner Wahl und beide kennen Zeitpläne für wiederkehrende Aufgaben. Hermes bringt sogar einen Befehl mit, der eine OpenClaw-Konfiguration übernimmt.

Die Unterschiede liegen im Detail, vor allem beim Gedächtnis. Stand der Dokumentationen: 09.10.2026.

ThemaHermes AgentOpenClaw
Gedächtniszwei Dateien, feste ObergrenzenDateien plus Tagesnotizen
Frühere GesprächeSuche in SitzungsdatenbankSuche in Tagesnotizen
Eigene Skillsja, standardmäßig anja, standardmäßig an
Ungenutzte SkillsArchiv nach 30 TagenArchiv nach 30 Tagen
Angebot des HerstellersModell-Abo, Cloud-Hostingkein Abo, kein Hosting
TrägerFirma Nous Researchgemeinnützige Stiftung

Gedächtnis: OpenClaw schreibt neben MEMORY.md und USER.md laut Dokumentation auch Tagesnotizen und überführt sie im Hintergrund ins Langzeitgedächtnis. Hermes hält das fest geladene Gedächtnis bewusst klein und zwingt den Agenten, bei vollem Zettel selbst auszusortieren. Was nicht auf den Zettel passt, findet er über die Sitzungssuche.

Skills: Dass ein Agent aus Korrekturen und gelungener Arbeit eigene Skills macht, ist kein Alleinstellungsmerkmal von Hermes mehr. Die Dokumentation von OpenClaw beschreibt das inzwischen ebenfalls, standardmäßig eingeschaltet. Laut Dokumentation startet dort eine Hintergrundprüfung, sobald eine Sitzung zehn Arbeitsschritte des Modells seit der letzten Prüfung erreicht hat. Auch die Pflege ähnelt sich: Beide archivieren gelernte Skills, die 30 Tage ungenutzt blieben. Ein Unterschied bleibt beim Zusammenführen ähnlicher Skills. Bei OpenClaw gehört es zur Hintergrundprüfung, bei Hermes ist es standardmäßig aus.

Updates: Zwischen dem 09.09. und dem 09.10.2026 habe ich auf GitHub, der Plattform für Softwareprojekte, bei Hermes Agent fünf Versionen gezählt, bei OpenClaw elf stabile. Das ist eine Momentaufnahme. Über die Qualität der Versionen sagt die Zahl nichts.

Einen neutralen Vergleichstest der beiden habe ich nicht gefunden. Die Vergleichsartikel, die es gibt, stammen überwiegend von Anbietern mit eigenem Produkt. Welches Werkzeug „besser“ ist, lässt sich daraus nicht ableiten.

Welche Einstellungen haben Wirkung?

Befehlsfreigabe: Hermes erkennt möglicherweise gefährliche Befehle und fragt dann nach. Du antwortest mit einer von vier Stufen: einmal erlauben, für die Sitzung erlauben, dauerhaft erlauben oder ablehnen. Voreingestellt ist laut Dokumentation der Modus smart. Dabei bewertet ein Hilfsmodell das Risiko. Harmloses gibt es selbst frei, klar Riskantes lehnt es ab, nur Unklares landet bei dir. Wer jede Entscheidung selbst treffen will, stellt auf manual.

Bildschirmfoto eines Telegram-Chats auf dem Handy mit dunklem Hintergrund. Auf den Befehl „/new“ antwortet der Bot unter dem zitierten Befehl mit „Session reset! Starting fresh.“, darunter die Zeilen „Model: gpt-6-astra“, „Provider: openai-codex“, „Context: 272K tokens (detected)“ und der Tipp „Dangerous command approval has 4 tiers: once, session, always (permanent allowlist), deny.“
Hermes Agent in Telegram: Der Befehl „/new“ beginnt eine neue Sitzung. Die Antwort zeigt Modell und Anbieter und nennt die vier Freigabestufen

Dauerhaft erlauben mit Bedacht: Die Stufe „always“ trägt den Befehl in eine Erlaubnisliste ein. Danach fragt der Agent dafür nicht mehr. Das ist bequem und der Grund, es selten zu tun.

Zeitpläne: Trifft eine geplante Aufgabe auf einen gefährlichen Befehl, wird er laut Dokumentation standardmäßig blockiert. Niemand sitzt daneben, der ihn freigeben könnte.

Container: Läuft der Agent in einer abgeschotteten Umgebung wie Docker, entfällt die Befehlsprüfung laut Dokumentation. Die Begründung: Der Container ist dann die Schutzgrenze. Das stimmt nur so weit, wie du dem Container keinen Zugriff auf den Rest deines Systems gibst.

Freigabe für Gedächtnis und Skills: Standardmäßig schreibt der Agent Notizen und Skills ohne Rückfrage. Mit der Einstellung write_approval hält er jeden Schreibvorgang zurück, bis du ihn freigibst. Das gibt es getrennt für Gedächtnis und Skills.

Weboberfläche: Hermes bringt ein Dashboard im Browser mit. Die Dokumentation berichtet selbst von einer Angriffswelle im Juni 2026: Offen im Internet erreichbare Dashboards wurden gefunden und der Agent dazu gebracht, eine Hintertür einzurichten. Seitdem ist eine Anmeldung Pflicht, sobald das Dashboard nicht nur vom eigenen Rechner aus erreichbar ist.

Wofür taugt Hermes Agent und wofür nicht?

Taugt für

  • wiederkehrende technische Aufgaben, bei denen sich gelernte Abläufe auszahlen
  • einen persönlichen Agenten, den du von unterwegs erreichst
  • alle, die nachlesen wollen, was sich ihr Agent gemerkt und beigebracht hat
  • Aufgaben nach Zeitplan, deren Ergebnis du prüfst

Taugt nicht für

  • den Selbstbetrieb ohne Erfahrung mit Servern und der Kommandozeile
  • alle, die viel Wissen im fest geladenen Gedächtnis erwarten: Der Platz ist klein
  • Aufgaben, bei denen ein Fehler teuer wird und niemand prüft
  • alle, die im Selbstbetrieb ein Werkzeug suchen, das ohne Pflege läuft

Was kostet Hermes Agent?

Die Software kostet nichts. Sie steht unter der MIT-Lizenz, einer freizügigen Open-Source-Lizenz. Kosten entstehen an anderer Stelle:

PostenKostenHinweis
Hermes Agent selbst0 €Open Source
KI-ModellAbo oder Verbrauchgrößter Posten
Rechner oder Serverje nach WahlStrom oder Miete
Zusatzdiensteje nach Anbieteretwa Honcho in der Cloud
Hermes Cloud (optional)ab 0,56 US-Dollar pro Tagstatt eigenem Server

Nous Portal: Der Hersteller bietet ein eigenes Abo für den Modellzugang an. Die Website nennt, Stand 09.10.2026, vier Stufen: Free für 0 US-Dollar, Plus für 20, Super für 100 und Ultra für 200 US-Dollar im Monat. Die bezahlten Stufen enthalten ein monatliches Guthaben für die Modellnutzung. Das Portal ist zunächst ein Zugang zu Modellen und Werkzeugen.

Hermes Cloud: Über das Portal vermietet der Hersteller auch fertige, dauerhaft laufende Instanzen von Hermes Agent. Du brauchst dann keinen eigenen Server. Die Website nennt, Stand 09.10.2026, zwei Größen: Standard für 0,56 und Pro für 1,09 US-Dollar pro Tag, solange die Instanz läuft. Angehalten kostet sie 0,03 US-Dollar pro Tag für den Speicher. Abgerechnet wird täglich nach tatsächlicher Laufzeit aus deinem Guthaben. Die Modellnutzung kommt hinzu. Zum Start verlangt die Website ein Guthaben von mindestens 2 US-Dollar oder ein laufendes Abo.

Eigenes Abo oder Schlüssel: Du brauchst das Portal nicht. Mit einem ChatGPT-Abo nutzt du dessen Kontingent, die Tarife stehen im Eintrag zu ChatGPT. Mit einem API-Schlüssel zahlst du pro Token. Das sind die Textbausteine, in denen KI-Modelle rechnen.

Verbrauch: Ein Agent mit Werkzeugen, Gedächtnis und Hintergrundprüfungen verbraucht mehr als ein normaler Chat. Das ist meine Ableitung aus der Funktionsweise, keine Herstellerangabe. Setz dir beim Anbieter ein Ausgabenlimit.

Was passiert mit deinen Daten?

Was bleibt auf deinem Rechner?

Laut Dokumentation liegen Unterhaltungen, Gedächtnis und Skills lokal im Ordner .hermes in deinem Benutzerverzeichnis. Dort liegen auch die Konfiguration und die Zugangsdaten zu deinen Modellanbietern. Wer Zugriff auf diesen Ordner hat, hat Zugriff auf beides.

Was verlässt deinen Rechner?

  • Zum Modellanbieter: An das gewählte Modell gehen deine Nachrichten, die beiden Gedächtnisdateien, geladene Skills und alles, was der Agent für die Aufgabe liest oder abruft. Es gelten die Bedingungen des Anbieters, auch zur Frage, ob er mit deinen Daten trainiert.
  • Zum Messenger: Deine Nachrichten laufen über die Server des jeweiligen Dienstes.
  • Zum Hersteller: Laut Dokumentation erhebt Hermes Agent keine Telemetrie, also keine Nutzungs- oder Analysedaten. Das ist eine Herstellerangabe, ich habe sie nicht am Programmcode geprüft.
  • Zu Zusatzdiensten: Die Zusage gilt nicht für Plugins anderer Anbieter. Mit Honcho in der Cloud liegen Nachrichten und Schlussfolgerungen dort.

Mit Hermes Cloud liegt alles beim Hersteller: Arbeitsbereich, Gedächtnis und Konfiguration der Instanz. Den Standort wählt laut Website der Anbieter nach Nähe und Verfügbarkeit. Die Liste reicht von Frankfurt und Amsterdam bis Dallas, Tokio und Singapur. Ein Standort in der EU ist damit nicht zugesagt.

Nur mit einem lokalen Modell bleibt auch die Verarbeitung auf deiner Hardware. Die Grundlagen dazu stehen im Eintrag zu llama.cpp.

Wird mit deinen Daten trainiert?

Das hängt am Modellanbieter, nicht an Hermes Agent. Nutzt du das Nous Portal, gilt dessen Datenschutzerklärung, Stand 28.09.2026. Sie nennt Eingaben, Ausgaben und Gesprächsverläufe als erhobene Daten und sieht vor, dass Daten an Anbieter gehen können, die auch Training unterstützen. Ein „Privacy Mode“ soll Speicherung und Training für die Inhalte der Anfragen ausschließen, mit Ausnahmen. Lies die Erklärung selbst, bevor du vertrauliche Inhalte darüber schickst.

Wie lange wird gespeichert?

Gedächtnis und Skills bleiben, bis der Agent oder du sie löschst. Beendete Sitzungen löscht Hermes standardmäßig nach 90 Tagen. Für das, was beim Modellanbieter und beim Messenger liegt, gelten deren Fristen. Die Datenschutzerklärung des Nous Portal nennt keine konkrete Aufbewahrungsdauer.

Was gilt beim geschäftlichen Einsatz?

Im Selbstbetrieb bist du der Betreiber. Es gibt dann keinen Anbieter, mit dem du einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AVV) für Hermes Agent schließt. Einen AVV brauchst du mit dem Modellanbieter, mit einem gemieteten Server und mit jedem Zusatzdienst, der Daten bekommt. Bei Hermes Cloud verarbeitet Nous Research deine Daten. Ob der Hersteller dafür einen AVV anbietet, habe ich nicht geprüft. Das ist meine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Prompt Injection: So heißen versteckte Anweisungen in Webseiten, E-Mails oder Dateien, die einen Agenten umlenken. Hermes prüft laut Dokumentation Gedächtniseinträge und geladene Dateien auf solche Muster. Beseitigt ist das Risiko damit nicht. Ein Agent, der Befehle auf deinem Server ausführt, kann in deinem Namen Schaden anrichten.

Ein Gedächtnis, das sich selbst schreibt: Was der Agent sich merkt, steuert sein späteres Verhalten. Ein falscher oder untergeschobener Eintrag wirkt in jeder folgenden Sitzung. Lies die beiden Dateien und die selbst geschriebenen Skills regelmäßig durch. Für sensible Umgebungen gibt es die Freigabe für Schreibvorgänge.

Schreibschutz ist keine harte Grenze: Die Dokumentation sagt selbst, dass ihr Schutz für Dateien eine zusätzliche Schicht ist und keine feste Grenze. Befehle laufen mit den Rechten des Benutzers, unter dem der Agent läuft. Gib ihm deshalb ein eigenes Benutzerkonto oder einen eigenen Container.

Wer steht hinter Hermes Agent?

Entwickelt wird Hermes Agent von dem KI-Unternehmen Nous Research. Das Repository, also der Ablageort des Programmcodes auf GitHub, wurde im Juli 2025 angelegt. Die erste öffentlich markierte Version stammt vom 12.03.2026. Die Versionshinweise dazu sprechen von einem kleinen internen Projekt, das in gut zwei Wochen zur Plattform wurde. Toolradar nennt den 25.02.2026 als öffentlichen Start.

Zur Einordnung: OpenClaw erschien im November 2025 und trägt seinen heutigen Namen seit Ende Januar 2026. Hermes Agent wurde also wenige Wochen nach der großen Aufmerksamkeit für OpenClaw öffentlich.

Auf GitHub hatte das Projekt am 09.10.2026 rund 252.000 Sterne. Das zeigt großes Interesse. Über Qualität und Sicherheit sagt die Zahl nichts.

Meine Einschätzung

Ich probiere gerne Werkzeuge aus. Deshalb läuft Hermes Agent auf meinem Server, und zwar in einer festen Rolle: als eine Art Systembetreuer.

Er überwacht den Server. Er erstellt Container, richtet sie ein, vergibt Freigaben und spielt Updates ein. Er kümmert sich um Einrichtung und Pflege und lernt dabei zunehmend, was dafür nötig ist. Fällt etwas aus, bitte ich Hermes, es zu beheben. Nach meiner Erfahrung läuft es oft wenige Minuten später wieder. Für mich funktioniert das ziemlich gut. Eine Zusage, wie schnell etwas wieder läuft, ist das nicht.

Im Kern ist Hermes für mich dasselbe wie OpenClaw: ein quelloffener KI-Agent, den ich unabhängig betreiben kann. Den wichtigsten Unterschied sehe ich im Gedächtnis. So wie ich es verstehe, lernt und pflegt Hermes stärker selbst: Er bringt sich Skills bei und verändert sie anhand von Rückmeldungen. Was davon dokumentiert ist und was OpenClaw inzwischen ähnlich löst, steht im Vergleich.

Spannend finde ich die Idee, dass ein Agent sich ein Bild von seinem Nutzer macht und es überprüft, bevor er es übernimmt. Bei Hermes gibt es dafür den Zusatzdienst Honcho. Im Standard landet das Profil ohne diesen Prüfschritt in der Datei USER.md.

Ich habe außerdem den Eindruck, dass Hermes etwas weniger Pflege braucht als OpenClaw. Das ist mein persönlicher Eindruck aus meiner Nutzung, keine gemessene oder allgemeingültige Aussage.

Der Vorbehalt bleibt derselbe wie bei OpenClaw: Auch für Hermes brauchst du etwas technisches Können. Meine Erfahrung bezieht sich auf den Selbstbetrieb. Wer keinen eigenen Server betreiben möchte, braucht eine gehostete Lösung: Hermes Cloud vom Hersteller oder einen fertigen Dienst. Wie sich ein fertiger Dienst anfühlt, beschreibe ich in meinem Beitrag zu ChatGPT Dots: Dort stellt der Anbieter den Computer in der Cloud.

These: Hermes Agent lohnt sich, wenn du einem Agenten wiederkehrende technische Arbeit überlässt und bereit bist, sein Gedächtnis und seine Skills im Blick zu behalten.

Quellen

Alle Seiten abgerufen am 09.10.2026.

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