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Claude: Was hinter Chat, Cowork, Claude Code und API steckt
Erik Weber · · 12 Min. Lesezeit
Wer "Claude" sagt, meint meistens ein Chatfenster. Das ist ungefähr so präzise, wie bei einem Werkzeugkoffer nur vom Hammer zu sprechen.
Was brauchst du wofür?
Die wichtigste Frage zuerst: Welche Oberfläche passt zu deiner Aufgabe?
| Du möchtest … | Passender Einstieg | Tarif |
|---|---|---|
| eine Frage klären oder einen Text überarbeiten | Chat | ab Free |
| mit mehreren Dateien in einem Ordner arbeiten | Cowork | ab Pro |
| ein Softwareprojekt bearbeiten | Claude Code | ab Pro |
| Claude in eine eigene Anwendung einbinden | API | nach Verbrauch |
Allen vier liegt dieselbe Modellfamilie zugrunde. Was sich unterscheidet, ist der Zugriff: Je nach Oberfläche sieht Claude nur deine Nachricht, einen freigegebenen Ordner, einen Projektordner mit Programmcode oder die Daten deiner eigenen Software.
Die vier Oberflächen
Chat-App
Die bekannte Oberfläche im Browser, auf dem Desktop und mobil. Die Apps lädst du auf der Download-Seite von Claude herunter. Dazu gehören Projekte mit eigenen Anweisungen und Dateien, Artifacts für erzeugte Seiten und Dokumente, Websuche und ein Gedächtnis über Gespräche hinweg. Für Text, Recherche und Denkarbeit ist das der Einstieg.
Der Chat ist ein Gesprächspartner. Er arbeitet mit dem, was du ihm gibst.
Cowork
Cowork ist ein Bereich der Desktop-App, in dem Claude Ordner auf deinem Rechner liest und bearbeitet, Aufgaben im Hintergrund abarbeitet und wiederkehrende Aufgaben nach Zeitplan ausführt. Anthropic hat Cowork im Januar 2026 als Forschungsvorschau für macOS gestartet; inzwischen ist es laut unabhängigen Übersichten in allen bezahlten Tarifen auf macOS und Windows enthalten. Über Plugins und Konnektoren lässt sich Cowork um Fachwissen und externe Dienste erweitern.
Cowork ist ein Kollege mit Schlüssel. Zu welchen Ordnern und Diensten, entscheidest du.
Claude Code
Claude Code ist ein Agent für Software-Projekte. Er liest den Programmcode eines Projekts, ändert Dateien, führt Befehle aus und arbeitet mit der Versionsverwaltung Git. Er läuft im Terminal, in VS Code und JetBrains, in der Desktop-App und im Browser. Eine Datei namens CLAUDE.md im Projekt legt Regeln fest, die bei jedem Start gelten. Skills bündeln wiederholbare Abläufe, wie im Beitrag zu Claude Skills beschrieben.
Claude Code arbeitet dort, wo dein Code liegt. Die Regeln dafür schreibst du einmal auf.
API
Über die Schnittstelle bindest du die Modelle in eigene Anwendungen und Automatisierungen ein und zahlst nach Verbrauch. Wie das technisch funktioniert, steht in der offiziellen Dokumentation von Claude. Für Selbstständige ohne eigene Software ist das meist erst der zweite Schritt.
Welches Modell, wie viel Denktiefe?
Die Modelle
Anthropic stellt die Modellfamilie auf der Website von Claude vor. Laut Anthropic sind aktuell vier Modelle verfügbar: Fable 5.1 für besonders anspruchsvolle, lange Aufgaben, Opus 5.5 als empfohlener Standard, Sonnet 5.5 für schnelle Arbeit und Haiku 4.5 als kleinstes und schnellstes Modell. Im Chat und in Cowork wählst du das Modell rechts unten im Eingabefeld.
Die drei großen Modelle verarbeiten laut Hersteller bis zu eine Million Token im Kontextfenster. Token sind die Wortbausteine, in denen Sprachmodelle Text zählen; das Kontextfenster ist die Textmenge, die das Modell in einem Durchgang berücksichtigen kann.
Welches Modell wofür?
Die Modelle entwickeln sich schnell weiter, die Abstände verschieben sich mit jeder Version. Meine Faustregel, Stand Oktober 2026:
| Modell | Wofür ich es nutze | Abwägung |
|---|---|---|
| Fable 5.1 | Planen, komplexe Aufgaben mit hohen Qualitätsanforderungen; Ergebnis sorgfältig prüfen | beste Qualität, langsam, teuer |
| Opus 5.5 | wie Fable, etwas schneller und günstiger | ähnliches Niveau, etwas schwächer |
| Sonnet 5.5 | Alltag mit klarem Ziel und guten Vorgaben | schnell, günstig |
| Haiku 4.5 | nur kleine, klar abgegrenzte Aufgaben | am schnellsten, am günstigsten |
Je genauer du die Aufgabe beschreibst, desto kleiner darf das Modell sein.
Denktiefe steuern: der Effort
Neben dem Modell legst du fest, wie viel Aufwand Claude in eine Antwort steckt. Anthropic nennt das Effort. Er steuert, wie oft und wie gründlich Claude vor der Antwort nachdenkt (das sogenannte Reasoning oder Thinking), wie viele Werkzeuge es aufruft und wie ausführlich es antwortet. Auf niedriger Stufe überspringt Claude bei einfachen Aufgaben das Nachdenken ganz. Schwierige Probleme durchdenkt es auch dann, nur kürzer.
Die Stufen laut Anthropic (in der App mit deutschen Namen, etwa „Mittel“):
| Stufe | Wofür |
|---|---|
| Low | einfache Aufgaben, wenn Tempo und Kosten zählen |
| Medium | ausgewogen, Standard bei Opus 5.5 |
| High | komplexe Aufgaben und schwieriger Code, Standard bei vielen anderen Modellen |
| Extra High | lange Agenten-Aufgaben, die über eine halbe Stunde laufen |
| Max | größtmögliche Gründlichkeit ohne Rücksicht auf den Verbrauch |
So stellst du ihn ein:
- Chat und Cowork: im Auswahlmenü neben dem Modellnamen unten im Eingabefeld. In den Screenshots oben steht dort „Opus 5.5 Mittel“
- Claude Code: mit dem Befehl
/effort, in der Modellauswahl/modelmit den Pfeiltasten oder beim Start mit--effort - API: über den Parameter
effortin der Anfrage
Haiku 4.5 kennt den Effort nicht. Dort lässt sich das erweiterte Nachdenken nur ein- oder ausschalten.
Mehr Aufwand heißt mehr Token: Über die API steigen die Kosten, im Abo ist das Kontingent schneller verbraucht. Laut Anthropic schneidet Opus 5.5 auf Medium in eigenen Tests beim Programmieren und bei Wissensarbeit mindestens so gut ab wie der Vorgänger Opus 5 auf High. Höher ist also nicht automatisch besser.
Wofür Claude taugt und wofür nicht
Gut geeignet für
- Texte entwerfen, überarbeiten und gegen eigene Regeln prüfen
- Recherche mit Quellen und strukturierte Zusammenfassungen
- Wiederkehrende Büroarbeit in Ordnern: sortieren, umwandeln, Berichte erstellen
- Kleine Automatisierungen und Webseiten, auch ohne Programmierausbildung
Weniger geeignet für
- Entscheidungen, die du nicht selbst prüfen kannst: Claude formuliert auch Fehler überzeugend
- Unbeaufsichtigte Arbeit mit wichtigen Dateien. Unabhängige Analysten weisen auf das Risiko unerwünschter Aktionen bei unklaren Anweisungen und auf Prompt Injection hin, also versteckte Anweisungen in Dateien oder Webseiten
- Daten, die die EU nicht verlassen dürfen (siehe geschäftlicher Einsatz)
- Wer mehrere Modellanbieter in einer Oberfläche nutzen will: Cowork und Chat laufen nur mit Claude-Modellen
Was kostet Claude?
Die Tarife laut Hersteller, Stand 5. Oktober 2026, in US-Dollar. Preise vor einer Entscheidung auf der Preisseite prüfen.
| Tarif | Preis pro Monat | Für wen |
|---|---|---|
| Free | 0 USD | Chat ausprobieren |
| Pro | 20 USD, bei Jahreszahlung 17 USD | Einzelpersonen, mit Cowork und Claude Code |
| Max | ab 100 USD | Vielnutzer, wahlweise 5- oder 20-fache Nutzung |
| Team | 25 USD (Standard) oder 125 USD (Premium) pro Platz, monatliche Zahlung | Teams von 2 bis 150 Personen, zentrale Verwaltung |
Enterprise kostet laut Hersteller 20 USD pro Platz und Monat, dazu kommt die Nutzung zu API-Preisen, abgerechnet jährlich.
Chat, Cowork und Claude Code teilen sich bei Nutzung über dein Abo laut unabhängigen Übersichten ein gemeinsames Kontingent. Intensive Agentenarbeit verbraucht es schneller als Chat.
Die API gehört nicht zum Abo. Sie wird separat nach Verbrauch abgerechnet, in Token. Preise pro Million Token laut Hersteller:
| Modell | Eingabe | Ausgabe |
|---|---|---|
| Fable 5.1 | 10 USD | 50 USD |
| Opus 5.5 | 4 USD | 20 USD |
| Sonnet 5.5 | 2 USD | 10 USD |
| Haiku 4.5 | 1 USD | 5 USD |
Was passiert mit deinen Daten?
Vorweg: Anthropic hat im Februar 2026 erklärt, dass Claude werbefrei bleibt.
Wo werden die Daten gespeichert?
Anthropic unterscheidet zwischen Speicherung und Verarbeitung. Für die kommerziellen Angebote wie Claude Enterprise und die API gilt laut Anthropic: Daten werden in den USA gespeichert, der Datenverkehr kann standardmäßig aber in ausgewählte Länder in den USA, Europa, Asien und Australien geleitet werden, sofern nichts anderes vereinbart ist. Für Free, Pro und Max beschreibt Anthropic das in einem eigenen Hilfeartikel; die Aussage lässt sich nicht pauschal übertragen.
Werden deine Chats zum Training genutzt?
In Free, Pro und Max entscheidest du das selbst. Meine Empfehlung: Deaktiviere in den Einstellungen unter Datenschutz die Option zur Modellverbesserung (laut englischer Oberfläche „Help Improve our AI models“). So gibst du deine Chats und Coding-Sitzungen nicht für künftiges allgemeines Modelltraining frei.
Ausnahmen gelten unter anderem für ausdrücklich gesendetes Feedback und Sicherheitsprüfungen. Die Einstellung ersetzt keine Datenschutzprüfung. Für Team, Enterprise und die API gilt diese Einstellung laut Anthropic nicht; dort regeln die kommerziellen Bedingungen den Umgang mit Daten.
Wie lange werden Daten aufbewahrt?
Bei aktivierter Trainingsfreigabe kann Anthropic Daten in de-identifizierter Form bis zu fünf Jahre in Trainingsprozessen aufbewahren.
Ausschalten löscht deinen Chatverlauf nicht. Erst wenn du einen Chat löschst, wird er laut Anthropic grundsätzlich innerhalb von 30 Tagen aus den Backend-Systemen entfernt; rechtliche und sicherheitsbezogene Ausnahmen bleiben möglich.
Was gilt beim geschäftlichen Einsatz?
Tarif: Cowork und Claude Code setzen einen bezahlten Tarif voraus. Wer im Team arbeitet und zentral verwalten will, landet bei Team oder Enterprise.
DSGVO und AVV: Eine pauschale Garantie für vollständige DSGVO-Konformität gibt es nicht, auch nicht allein durch eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung (AVV). Wenn du personenbezogene Daten im Auftrag verarbeiten lässt, brauchst du eine passende AVV und musst zusätzlich den konkreten Einsatz prüfen, etwa Rechtsgrundlage, Zugriffsschutz und Drittlandtransfers.
Bei Anthropics kommerziellen Angeboten ist die AVV (DPA) einschließlich Standardvertragsklauseln Bestandteil der Commercial Terms und wird mit deren Annahme vereinbart. Das lässt sich nicht pauschal auf Free, Pro und Max übertragen.
EU-Datenresidenz: Eine garantierte vollständige EU-Datenresidenz gibt es direkt bei Anthropic nicht. Ein indirekter Weg führt über AWS Bedrock oder Google Vertex AI mit deren regionalen Rechenzentren; Verfügbarkeit dort im Einzelfall prüfen.
Unter der Haube: MCP
Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, mit dem Claude externe Werkzeuge und Datenquellen anbindet, etwa Google Drive, Kalender oder eigene Dienste. Es funktioniert in allen Oberflächen und ist der Grund, warum aus einem Chatmodell ein Arbeitswerkzeug werden kann.
Meine Einschätzung
Claude hat aus meiner Sicht gerade die Nase vorn. In Unternehmen begegnet es mir immer öfter. Das ist meine Beobachtung, keine Marktzahl.
Im Alltag teile ich die Oberflächen so auf:
- Chat ist für mich eher Suchmaschine: eine schnelle Frage, etwas herausfinden, das Netz durchsuchen lassen
- Cowork nehme ich, sobald ich wirklich an etwas arbeite, also mit Dateien oder in einem Ordner
- Claude Code kommt dazu, wenn ich Code schreibe oder größere Änderungen an einem Projekt mache
- Die API nutze ich für meine eigene Arbeit kaum. Sie wird pro Token abgerechnet, im Abo bekomme ich für dasselbe Geld spürbar mehr Nutzung
Zur Einordnung: Für 20 USD, den Monatspreis von Pro, bekommst du über die API mit Sonnet 5.5 zum Beispiel fünf Millionen Eingabe- und eine Million Ausgabe-Token. Wie viele Token ein Abo-Monat umfasst, veröffentlicht Anthropic nicht. Ein exakter Vergleich ist deshalb nicht möglich.
Die API begegnet dir trotzdem, oft ohne dass du sie siehst. Wer in Unternehmenswerkzeugen wie Langdock oder Microsoft Copilot Claude-Modelle nutzt, läuft in der Regel über die API. Dort entstehen schnell hohe Kosten.
These: Das Abo ist derzeit subventioniert. Für dasselbe Geld bekommst du dort deutlich mehr Nutzung als über die API.
Bei den Modellen nehme ich für die meisten Aufgaben Sonnet. Wann ich zu Opus oder Fable wechsle, steht unter Welches Modell wofür?.
Interessant wird es in Kombination. Jev von TypeSafe lässt sich als Router einsetzen: Jev entscheidet, welches Modell zur Aufgabe passt. Claude startet dann einen Sub-Agenten, der statt des stärksten Modells ein auf die Aufgabe zugeschnittenes, schwächeres Modell verwendet.
Quellen
- Claude: Tarife und Preise (Anthropic)
- Modellübersicht (Anthropic, Plattform-Doku)
- Claude Code: Überblick (Anthropic, Doku)
- Updates to Consumer Terms and Privacy Policy (Anthropic, 28.08.2025)
- Claude is a space to think (Anthropic, 04.02.2026)
- Anthropic Democratizes Agentic AI with Claude Cowork (Aragon Research, 16.01.2026)
- Official Claude Cowork Breakdown (Vellum, 07.09.2026)
- Claude EU Data Residency in 2026 (Sonomos, 01.09.2026)
- Serverstandorte und Datenverarbeitung bei kommerziellen Angeboten (Anthropic, 15.06.2026)
- Trainingsfreigabe ändern (Anthropic)
- Datenspeicherung und Löschfristen (Anthropic)
- API und Abo werden separat abgerechnet (Anthropic)
- Auftragsverarbeitungsvereinbarung / DPA (Anthropic)
- Effort: Aufwand und Denktiefe steuern (Anthropic, Plattform-Doku)
- Modell und Effort in Claude Code einstellen (Anthropic, Doku)
- Verantwortliche und Auftragsverarbeiter: Pflichten (Europäischer Datenschutzausschuss)